Wie hörst du?

Nachdem ich aktuell mein letztes Buch als eBooks aufbereite, möchte ich auch einige Anregungen hier im Blog geben – und auf ein paar Kapitel des Buches näher eingehen – um die dann auch im eBook entsprechend einfliessen zu lassen. Ein Teil werden unterschiedliche Kommunikationsmodelle sein – und hier und heute gehts mir um

Das 4 Ohren Modell von Schulz von Thun

In diesem Modell geht es darum, dass nicht alles, was du sagst, ich auch so verstehe, wie du es meinst – und umgekehrt – und gilt für jeden anderen Menschen genauso. Wie gesagt – ein Kommunikationsmodell – sprich – eine Möglichkeit, die Welt zu erklären – eine von zahlreichen anderen – was dir zusagt, musst du selbst heraus finden – und wenn dich das alles gar nicht interessiert – auch gut 😉

Wobei es nicht nur um 4 Ohren geht, die hören – sondern auch um 4 Münder, die sprechen – was die Möglichkeiten von Mißverständnissen in der Kommunikation noch wesentlich erhöhen. Doch zuerst mal die 4 unterschiedlichen Arten von Hören und Sprechen:

  • Sachinformation
    Ich spreche über …..
    Mein Gegenüber spricht über …..
  • Selbstkundgabe
    Ich möchte dir von mir ….. preisgeben
    Mein Gegenüber gibt ….. von sich preis (dies kann nur eine Annahme sein, die von meinen eigenen Filtern beeinflusst wird)
  • Beziehungshinweis
    Ich halte von dir …..
    Mein Gegenüber steht ….. zu mir (dies kann nur eine Annahme sein, die von meinen eigenen Filtern beeinflusst wird)
  • Appell
    Ich möchte, dass du ….. machst
    Du willst von mir, dass ich ….. (dies kann auch eine Annahme sein, die von meinen eigenen Filtern beeinflusst wird)

Wenn ich dir jetzt sachlich etwas erklären möchte, du aber

  • im Selbstkundgabe-Modus bist, wirst du „zwischen den Zeilen“ hören, um möglichst viel über mich zu erfahren
  • im Beziehungs-Modus bist, wirst du möglicherweise überlegen, warum ich – grad dir – genau das – jetzt – sage
  • im Appell-Modus bist, wirst du meine Ausagen ev. als Bevormundung oder Respektlosigkeit empfinden

Ein praktisches Beispiel, weil es immer wieder passiert. Ich arbeite in einem Jugendprojekt, wo ich zu bestimmten Zeiten bestimmte Aufgaben erledigen muss, die zeitgebunden sind – jeden Freitag und immer am Letzten des Monats – und fallweise mag mein direkter Vorgesetzter Statistiken haben, dann passiert das auch. Dann ist bei meinem Fenster und an der Tür ins Büro jeweils ein Schild angebracht

Bitte nicht stören

Dieses Schild hat den Grund

  • Sachebene = dass ich mich beeilen muss und nicht gestört werden will.

Wenn dann doch wer stört kommt von meiner Seite meist nur ein

  • Sachebene = „Jetzt nicht“

aus dem einfachen Grund, weil ichs eilig habe. In dieser Situation habe ich auch nicht die Zeit, lange zu erklären, warum ich jetzt nicht gestört werden möchte und darf, weil ich das jetzt eben fertig machen muss – weil das mein Job ist – also eine der Aufgaben, die terminisiert sind. Spannend sind dann allerdings die möglichen ReAktionen.

  • Sach-Modus
    meine KollegInnen wissen schon seit über 3 Jahren, dass es ist, wie es ist, sie nehmen es also meist als das, was es ist – eine sachliche Info, dass ich jetzt grad für nichts anderes Zeit habe – und sie gerne reinkommen und sich etwas holen dürfen, wie zB Schlüssel, die am Tisch liegen, Ordner, die im Kasten stehen – aber mich bitte nicht anquatschen und aufhalten sollen.
  • Selbstkundgabe-Modus
    die Menschen, welche sich im Selbstkundgabe-Modus befinden, bemühen sich dann, heraus zu finden, was mir über die Leber gelaufen sein könnte, dass ich jetzt so kurz angebunden bin und mir nicht die Zeit nehme, mich mit ihren Thematiken zu beschäftigen.
  • Beziehungs-Modus
    die Menschen, welche sich im Beziehungs-Modus befinden, überlegen, was sie falsch gemacht haben könnten, warum ich sie jetzt nicht mehr lieb habe – oder vielleicht auch, wie sie mich aus meiner brenzligen Situation erretten können würden, wenn ich sie lassen täte.
  • Appell-Modus
    die Menschen, welche sich im Appell-Modus befinden schliessen möglicherweise aus meinem „Jetzt nicht“, dass sie mich nie wieder ansprechen dürfen.

Ähnliches passiert, wenn ich dringend aufs WC muss, schon die Türklinke in der Hand habe – und jemand kommt und meint, man müsste ganz dringend mit mir sprechen – auch dann kommt oftmals – „Jetzt nicht“.

Ich erinnere mich noch an unser 25-jähriges Maturajubiläum – ich hatte einen Ausflug auf die Hohe Wand geplant – also geplant hatten wirs zu Viert – aber umgesetzt hab ichs dann großteils alleine – sozusagen ein Dreitagesfest – alles war in die Wege geleitet – ich hab alle anderen eingeladen – und dann kam zurück:

„Also wenn wir nicht mindestens nach Paris fliegen oder mit dem Zug nach Venedig fahren, interessiert es mich nicht – ich bin weder ein Kindergartenkind, noch Pensionistin – wenn, dann solls was gscheites sein.“

Ich gestehe, mir wars eigentlich nicht nur gleich.gültig, sondern schlichtweg egal, ob diese Person kommt oder nicht – bis dann meine Mitplaner auch zu überlegen begannen, ob wir das wirklich so machen sollen. Da ich auch noch andere Dinge zu tun hatte – zu der Zeit damals – hab ich gemeint – ok, dann organisierts selbst – ich will weder nach Paris fliegen, noch mit dem Zug nach Venedig fahren.

Ja – ich war sachlich – mir wars wirklich egal – ich hab einfach alles abgesagt und mich um meine anderen Dinge gekümmert. Inzwischen hat es 15 Jahre gedauert – und voriges Jahr waren sie dann mit dem Zug in Venedig – und siehe da – es war überhaupt nicht so lustig, wie damals vor 44 Jahren, als wir das erste Mal zu Ostern mit dem Zug in Venedig waren 😉

Achja – und sollte jetzt wer davon ausgehen, dass ich mich als armes gemobbtes Opfer fühle – sorry – ich bin einfach sachlich und zähle Fakten auf – möglicherweise bist du im Beziehungs-Modus und überlegst eben, wie du mich retten könntest – oder auch im Selbstkundgabe-Modus, dass es dir wichtig ist, dahinter zu kommen, warum ich das schreibe, was ich schreibe 😉

Wobei – das mit – nicht so lustig sein – und dass es 15 Jahre gedauert hat – ist schon auch bissale Schadenfreude *zugeb* – ich bin eben auch nur ein Mensch und nicht fehlerlos perfekt.

Und nein, es hat jetzt nichts damit zu tun, ob sich Frauen eher im Beziehungs- und/oder Selbstkundgabe-Modus bewegen und Männer eher im Sach- oder Appell-Modus – weil es gibt auch Männer mit eher weiblichen Denkweisen und Frauen mit eher männlichen Denkweisen – aber das wird ev. auch noch ein eigener Beitrag werden – irgendwann später.

Doch man spricht und hört nicht immer mit dem gleichen Modus – in Bezug auf Beziehung und Sex habs ich persönlich dann eher nicht ganz so sachlich 😉 Oder auch, wenn ich mit FreundInnen zusammen sitze – da gehts schon auch oft um Selbstkundgabe und Beziehungs-Modus. Im Job bemühe ich mich meist um reinen Sach-Modus – erleichtert das Leben ungemein.

Meine persönliche Erfahrung – jedes Mal, wenn ich es mir gestattet hatte, den Beziehungs-Modus einfliessen zu lassen in geschäftliche Angelegenheiten – hat es letztendlich nicht funktioniert – nicht auf Dauer. Ist einfach so  – meine Erfahrung von vielen Jahren – Sachebene und Appellebene gehören eher zum Job – die anderen beiden zu Privatleben – ansonsten gibts nur Probleme.

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